„Nebel im August“
Robert Domes zu Gast in der Realschule Illertissen 

Eine Autorenlesung die unter die Haut ging

Mit 14 Jahren wurde am 22. August 1944 Ernst Lossa in der Heil-und Pflegeanstalt Irsee im Zuge des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms umgebracht. Beschönigt wurde diese Mordserie als Gnadentod, dem insgesamt 250 000 Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Erkrankung während der NS-Diktatur zum Opfer fielen.

Robert Domes hat durch seinen packenden Roman dem Jungen Ernst Lossa wieder zum Leben verholfen. Dessen Krankenakte, die aus nüchternen Daten und Fakten besteht, verwandelte der ehemalige Journalist der Allgäuer Zeitung in eine sehr einfühlsame, biografische Lebensgeschichte, die bereits in fünf Sprachen übersetzt wurde und auch durch den 2016 ausgestrahlten Kinofilm große, internationale Beachtung fand.

Wie so ein Werk aus historischen Fakten und kreativer Fiktion zustande kommt, verriet er den gespannt lauschenden Jugendlichen der Johannes-von-La Salle-Realschule und den Gästen aus den Werkstätten der Lebenshilfe Illertissen und Senden, die sich ebenfalls zu dieser besonderen Lesung in die Aula der Realschule eingefunden hatten.
Sehr mutig empfanden es die Schüler, dass sich die Mitarbeiter der Lebenshilfe diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte stellen, denn vor 70 Jahren hätten auch sie Opfer sein können. Dass die Täter Ärzte und Krankenpfleger waren, die glaubten etwas Rechtes zu tun, war für die Jugendlichen nur schwer nachvollziehbar.

Diese Autorenlesung war der letzte Teil einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Gegen das Vergessen“, welche die Realschule zusammen mit der Lebenshilfe gemeinsam organisierte. Nicht weniger aufrüttelnd war für die Schüler und den Mitarbeitern der Lebenshilfe die Exkursion zur Erinnerungsstätte Grafeneck, wo im Jahr 1940 innerhalb von 11 Monaten 10 654 Menschen durch Gas ums Leben gebracht und anschließend verbrannt wurden. In dieses sehr schwermütige und schockierende Thema hatte Joachim Schlichting vom Sozialdienst der Lebenshilfe Senden die Jugendlichen und die Mitarbeiter aus den Werkstätten durch seinen interessanten Vortrag „Menschen mit Behinderung im Spiegel der Zeitgeschichte“ eingeführt und vorbereitet.